Therapie des Nierenzellkarzinoms mit Tyrosinkinasehemmern

Was sind Tyrosinkinasehemmer, wo werden sie eingesetzt und welche Vorteile bieten sie?

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Behandlung des Nierenzellkarzinoms: Sequenztherapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) verbessert die Lebenserwartung bei Nierenkrebs

Therapie des Nierenzellkarzinoms (NZK) – Die Therapie des Nierenzellkarzinoms mit Tyrosinkinase-Inhibitoren bietet verbesserte Therapieoptionen. Einer dieser Tyrosinkinase-Inhibitoren ist der Wirkstoff Sorafenib, ein Small Molecule (kleines Molekül), das im Rahmen einer Targeted Therapy (zielgerichtete Therapie) bei der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms eingesetzt wird. Aus dieser Entwicklung resultiert nach Überzeugung von PD Dr. Lutz Trojan, dass die zur Zeit eingesetzten Immuntherapeutika bei der Therapie des NZK an Bedeutung verlieren.

Nierenzellkarzinom – mehr Männer als Frauen sind betroffen
An einem Nierenzellkarzinom erkranken jedes Jahr ca. 17 000 Bundebürger. 61% der Betroffenen sind Männer, 39% Frauen. Nierenkrebs macht damit rund zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus und gehört zu den eher seltenen Tumoren des Menschen. Allerdings steigt die Rate der Neuerkrankungen weltweit an. Das mittlere Alter liegt bei der Diagnosestellung bei Männern um das 65. Lebensjahr und bei Frauen um das 70.Lebensjahr.

Behandlung mit Interferon-alpha problematisch - Targeted Therapy erhöht Erfolgschancen beim metastasierten Nierenzellkarzinom
Die Behandlung des Nierenzellkarzinoms stellte sich bis vor wenigen Jahren als sehr problematisch dar, denn gegenüber einer Chemo- wie auch einer Strahlenbehandlung zeigen sich die Tumore dieser Krebsart als sehr wiederstandsfähig. Erst mit der Entdeckung der Interferone kam es zu einer ersten therapeutischen Verbesserung.

Als Standardtherapie hat sich eine Behandlung mit Interferon-alpha etabliert, die allerdings infolge ihrer Nebenwirkungen in der palliativen Situation nicht unproblematisch ist. Erste Ergebnisse zum zielgerichteten Einsatz (Targeted Therapy ) von innovativen Tyrosinkinase-Inhibitoren lassen verbesserte Therapieoptionen erwarten.

Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) – Sequenztherapie verbessert die Lebenserwartungen
Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) wirken zweifach. Zum einen hemmen sie die Zellteilung (antiproliferative Wirkung) und zum anderen unterbinden Sie die Neubildung von Blutgefäßen (Antiangiogenese), die auch Tumore ab einer Größe von ca. 0,5 cm zur Nährstoffversorgung benötigen. Zwei Vertreter der Gruppe der Tyrosinkinase-Inhibitoren sind Sunitinib und Sorafenib. Sorafenib wurde als erster Tyrosinkinase-Inhibitor zur Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms zugelassen.


Durch die Möglichkeiten der „Targeted Therapy" mit Tyrokinsae-Inhibitoren liegen die mittleren Überlebenszeiten inzwischen bereits bei 30 Monaten und mehr und dies bei zugleich deutlich besser verträglicher Behandlung. Für Sorafenib faßt Dr. Roßberg, Bayer Vital GmbH, Leverkusen den bisherigen Erkennisstand prägnant zusammen: Sorafenib „verlängert signifikant das progressionsfreie Überleben wie auch das Gesamtüberleben.“

Aktuelle Studien zeigen, dass es trotz TKI-Behandlung bei Patienten mit Nierenkrebs nach einer Zeit ohne Tumorwachstum unter Therapie zu einem Fortschreiten des Wachstums kommt. Daher wird der Behandlungsansatz der Sequenztherapie verfolgt, bei der der erste Tyrosinkinase-Inhibitor mit erneutem Wachstumsschub des Karzinoms gegen den anderen ausgetauscht wird (Switch). Das heißt, Patienten, die zuerst Sorafenib erhalten, bekommen anschließend Sunitinib und Patienten, die zunächst Sunitinib erhalten, werden in der Folge mit Sorafenib therapiert.

Neben fortgesetztem Tumorwachstum können aber auch Nebenwirkungen einen Wechsel des Tyrosinkinase-Inhibitors erforderlich machen, selbst dann, wenn das Wachstum des Nierenzellkarzinoms unter TKI-Behandlung erfolgreich unterbunden wird.

Auf die Frage, wann er Sorafenib einsetzen würde, antwortete PD Dr. Trojan: "Sorafenib setzen wir ein, wenn der Patient für eine Immuntherapie, die klassische, herkömmliche Therapie nicht in Frage kommt bzw. das Nebenwirkungsspektrum für den Patienten zu hoch ist oder diese Therapie versagt hat. - Der Vorteil vom Sorafenib liegt sicherlich darin, dass es im Vergleich zur klassischen Immuntherapie, wie wir sie in Mannheim durchführen, mit einem recht aggressiven Schema, die Nebenwirkungen für den Patienten deutlich verbessert sind."


Im Klinikalltag stellt sich für das behandelnde Ärzteteam die Frage, welcher der Tyrosinkinase-Inhibitoren zuerst (firstline) und welcher in der Folge (secondline) eingesetzt werden soll, um die längste Lebenszeit bei bester Lebensqualität zu erzielen.

Erste Untersuchungen sprechen für die Reihenfolge Sorafenib – Sunitinib, da bedeutend mehr Nierenkrebs-Patienten in der Firstline-Therapie auf Sorafenib ansprechen (Resposerate: 38% unter Sorafenib; 19% unter Sunitinib).

Deutsche Krebgesellschaft leitet SWITCH-Studie
In einer Studie unter der Bezeichnung RCC SWITCH-Studie (RCC, Renal Cell Carcinoma) soll nun geklärt werden, ob es günstiger ist, in der Erstlinien-Therapie mit Sunitinib zu beginnen und Sorafenib im Anschluss daran einzusetzen oder umgekehrt mit Sorafenib zu starten und mit Sunitinib als Zweitlinientherapie zu behandeln. Die internationale Studie wird von der Deutschen Krebgesellschaft geleitet. Insgesamt werden in der internationalen Multicenterstudie 540 Patienten aus 80 Prüfzentren in Dänemark, Deutschland, Niederlande, Österreich und Schweden eingebunden. Nach Dr. Marschner, Leiter der Clinical Research Organisation, handelt es sich bei der SWITCH–Studie um eine der ersten Studien, deren Daten komplett elektronisch erfaßt werden. Das ist noch nicht Standard in Europa. Dr. Marschner: "Das System ermöglicht Vollständigkeits- und Plausibilitätsprüfung unmittelbar bei der Eingabe und trägt somit enorm zum Qualitätsmanagement der Studie bei."

Die geschätzte Studiendauer liegt bei 17 Monaten, wobei in der Firstline-Therapie von elf Monaten und in der Secondline-Therapie von sechs Monaten ausgegangen wird. Das erste Studienzentrum startete am 04.02.2009, nachdem die Behördenfreigabe wenige Tage zuvor erfolgte.

Die Initiatoren hoffen, mit der SWITCH-Studie die Fragen des optimalen Vorgehens bei der Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms zu klären, um aus den Ergebnissen eine eindeutige Therapieempfehlung abzuleiten. (MEDIZIN ASPEKTE, Dr. Joachim Wolff 02/2009)

Quelle
Presse-Konferenz
Start einer großen internationalen Studie der Deutschen Krebsgesellschaft - erste prospektive Studie zur Sequenztherapie mit TKIs beim Nierenzellkarzinom
Veranstalter: Bayer Vital GmbH
Frankfurt, 6. Februar 2009

Referenten

  • Aktuelle Datenlage zur Sequenztherapie bei metastasiertem Nierenzellkarzinom
    Dr. Mathias Roßberg, Bayer Vital GmbH, Head Scientific Marketing Onkologie, Leverkusen
  • Die SWITCH-Studie - prospektive, randomisierte, multinationale Phase IM Studie zur sequentiellen Therapie des m-NZK
    Priv.-Doz. Dr. Lutz Trojan, Urologische Klinik Universitätsklinikum Mannheim
  • Die SWITCH-Studie - das erste große Studienprojekt der Sponsor GmbH der Deutschen Krebsgesellschaft
    Dr. Simone Wesselmann Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Berlin
  • Herausforderungen bei der Durchführung einer internationalen Therapieoptimierungs-Studie. Sichtweise der CRO (Clinical Research Organisation)
    Dr. Norbert Marschner, iOMEDICOAG, Freiburg

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