Morbus Hodgkin: Bösartige Neubildungen des lymphatischen Gewebes: Inzidenz, Mortalität, Überlebensraten, Prävalenz

Als Morbus Hodgkin, Hodgkin-Lymphome, oder Lymphogranulomatose werden bösartige Neubildungen des lymphatischen Gewebes meist der Lymphknoten bezeichnet, die durch das Auftreten so genannter Sternberg-Reed-Riesenzellen im Knochenmark gekennzeichnet sind. Ebenso wie bei den Non-Hodgkin-Lymphomen werden angeborene oder erworbene Besonderheiten des Immunsystems sowie virale Infektionen als Risikofaktoren diskutiert. Vor allem Epstein- Barr-Viren, die Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (infektiöse Mononukleose) und Retroviren (zum Beispiel HTLV und HIV) kommen in Betracht. Auch das Hepatitis-B-Virus scheint neueren Untersuchungen zufolge eine Rolle zu spielen. Kinder und Geschwister von Patienten mit Morbus Hodgkin haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Erbliche Faktoren treten zunehmend in den Vordergrund der wissenschaftlichen Diskussion, ohne dass die bisherige Forschung schon zur Identifikation eindeutig risikosteigernder Gene geführt hätte. Es liegen verschiedene Behandlungsschemata vor, die Bestrahlung und Chemotherapie optimal kombinieren. Neben der weiteren Verbesserung der Heilungserfolge wird zunehmend Wert darauf gelegt, gleichzeitig eine Minimierung möglicher Spätfolgen durch die Behandlung zu erreichen (Preiß et al. 2008).

Trends von Inzidenz, Mortalität und Überlebensraten
Die altersstandardisierten Inzidenzraten an Morbus Hodgkin gingen bei Männern seit den 1980er- Jahren um etwa ein Drittel zurück, bei Frauen ist der Rückgang erst seit Beginn der 1990er-Jahre zu beobachten. Mit Ausnahme der Kinder unter 15 Jahren sanken die Erkrankungsraten in fast allen Altersgruppen. Auch die absolute Zahl der Neuerkrankungen ging bei beiden Geschlechtern seit 1980 um etwa 20 % bis 25 % auf jährlich etwa 2.000 Personen (davon 900 Frauen) zurück. Die altersstandardisierten Sterberaten gingen für beide Geschlechter sogar auf ein Fünftel der Werte von 1980 zurück. Im Jahr 2004 starben noch 201 Männer und 158 Frauen an dieser Erkrankung. Entsprechend haben sich die Überlebensaussichten mit Hodgkin-Lymphomen in Deutschland entwickelt. Während die relativen 5-Jahres-Überlebensraten zu Beginn der 1980er-Jahre noch etwa 70 % betrugen, lagen sie nach dem Jahr 2000 im Bereich von 90 % bis 95 %.

Prävalenz
Im Jahr 2004 war in Deutschland bei 4.500 Frauen und 4.600 Männern in den vorangegangenen fünf Jahren ein Hodgkin-Lymphom aufgetreten. Bei jeweils etwa 9.000 Frauen und Männern war die Diagnose bis zu zehn Jahre zuvor gestellt worden. Die Prävalenz an Hodgkin- Lymphomen in Deutschland zeigt bei Frauen und Männern seit 1990 keine größeren Veränderungen, wobei die Zahlen in den letzten Jahren eher rückläufig waren. Im Jahr 2004 war etwa die Hälfte der vom Morbus Hodgkin betroffenen Frauen (55 %) und Männer (51 %) jünger als 40 Jahre. Für das Jahr 2010 ist mit einer 5-Jahres-Prävalenz von 4.100 Frauen und 4.400 Männern zu rechnen.

Fazit
Sinkende Neuerkrankungszahlen und verbesserte Überlebensaussichten führten beim Morbus Hodgkin zwischen 1990 und 2004 zu weitgehend unveränderten Prävalenzen, zuletzt waren die Zahlen eher rückläufig. Da die Erkrankung in jedem Alter auftreten kann, wirken sich die demografischen Veränderungen in der Bevölkerung Deutschlands hier nur unwesentlich auf die Erkrankungshäufigkeiten aus. Für das Jahr 2010 ist mit einer 5-Jahres-Prävalenz von etwa 4.100 Frauen und 4.400 Männern zu rechnen. (RKI 02/2010)


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