Bauchspeicheldrüsenkrebs - Hautausschlag (Rash) als Therapiekontrolle bei Hemmung des Tumorwachstums durch Tyrosinkinase-Hemmer

Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas­karzinome) wachsen schnell und aggressiv. Im fortgeschrittenen Stadium hat der Tumor oft schon Tochtergeschwülste in andere Organe gestreut. Hier kann dem Patienten eine besondere Therapieform helfen: Die Kombination aus Chemotherapie und einer Art „Wachstumshemmer“ für den Tumor. Der Wirkstoff Erlotinib, der als Tablette eingenommen wird, ist ein solcher Wachstumshemmer. Er greift direkt in das Tumor­wachstum ein. Während sich eine Chemotherapie relativ unspezifisch gegen alle Körperzellen richtet, wirkt Erlotinib sehr gezielt an den Tumorzellen selbst. Um sich zu entwickeln, senden Tumorzellen über Rezeptoren in der Zellwand Signale an den Zellkern. Daraufhin vergrößern und teilen sich die Zellen. Der Tumor wächst und bildet Metastasen. An diesen Rezeptoren übernimmt ein Enzym, die „Tyrosinkinase“, beim Übertragen der Signale ins Zellinnere eine zentrale Funktion. Hier setzen so genannte Tyrosinkinase-Hemmer, wie der Wirkstoff Erlotinib, an und stoppen die Weiterleitung der Signale. Das bedeutet für die Krebszelle: Sie kann keine Informationen, wie beispielsweise „Werde größer und teile dich“, an ihren Zellkern senden. Schließlich verkümmert sie und stirbt ab. Das Medikament hat den Tumor gewissermaßen überlistet und ein fortschreitendes Wachstum gehemmt.

Wirkung von Erlotinib als Wachstumshemmer
Seit zwei Jahren ist Erlotinib zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zugelassen. Damals zeigte eine Studie, dass die Kombination aus dem Chemotherapie­medikament Gemcitabin und eben diesem Wachstumshemmer das Überleben von Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom verlängern kann [1]. Die neue AViTA-Studie hat diese Ergebnisse nun bestätigt. Außerdem hat die Untersuchung gezeigt, dass Erlotinib vor allem bei denjenigen Patienten gut wirkt, die während der Behandlung einen Hautausschlag entwickeln [2, 3].

Wirksamkeit von Erlontinib ist sichtbar – Hautausschlag (Rash) zur Therapiekontrolle
Die Mediziner nennen diesen akneähnlichen, pusteligen Ausschlag „Rash“. Er tritt überwiegend im Gesicht und am Oberkörper auf. Die Daten der Wissenschaftler vom ASCO-Kongress 2009 verdeutlichen den Zusammenhang zwischen dem Hautausschlag durch Erlotinib und dem Ansprechen des Körpers auf die Behandlung: In der Studie AViTA zeigte rund ein Drittel der Patienten bei Erlotinib-Einnahme diesen Hautaus­schlag. Im Vergleich zu Patienten ohne „Rash“ überlebten diese Menschen fast doppelt so lange [2, 3]. Es zeigte sich, dass sich die Überlebenszeit der Patienten mit einem Hautausschlag – unabhängig vom Schweregrad des Ausschlags – verlängerte [4].

Behandlung bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs
Patienten mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs sollten, so die Experten in Orlando, zunächst mit der Kombination Gemcitabin und Erlotinib behandelt werden. Wenn nach vier bis acht Wochen ein Hautausschlag auftritt, ist es sinnvoll, die Kombinationstherapie fortzusetzen. Professor Volker Heinemann hat ebenfalls an dem Krebskongress teilgenommen. Als Leiter der onkologischen Tagesklinik der Universitätsklinik München-Großhadern weiß er, was die neuen Daten für die Therapie in Deutschland bedeuten: „Rash ist für uns eine sehr wichtige Erscheinung und weitaus mehr als nur eine Nebenwirkung der Behandlung. Wenn wir bei unseren Patienten mit Erlotinib-Therapie eine Hautveränderung sehen, spricht das für eine deutlich erhöhte Überlebenschance.“ Das Auftreten eines „Rash“ ermöglicht demzufolge eine schnelle und einfache Therapiekontrolle. (mr 08/2009)


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