Das Leberzellkarzinom

Die Leber setzt sich aus verschiedenen Zelltypen wie Leberzellen (Hepatozyten) und Gallenwegszellen zusammen. Durch bösartige Veränderungen einzelner Zellen kann es zu Krebserkrankungen kommen. In 10 bis 20 Prozent geht der Krebs von den Gallenwegszellen in der Leber aus. Dann spricht man vom cholangiozellulären Karzinom. In den meisten Fällen (80 bis 90 Prozent) entwickeln sich bösartige Tumore jedoch in den Leberzellen (1). Diese Form wird daher als Leberzellkrebs oder als hepatozelluläres Karzinom bezeichnet.

Häufigkeit und Verteilung
In Deutschland erkranken jährlich etwa 6000 Menschen an Leberzellkrebs (2). Weltweit ist das Leberzellkarzinom mit 500.000 bis 1 Million Neuerkrankungen pro Jahr die fünfthäufigste bösartige Tumorerkrankung und die dritthäufigste tumorbedingte Todesursache. Männer sind etwa zwei- bis dreimal öfter betroffen als Frauen (2).

Die Häufigkeit des Leberzellkarzinoms nimmt allgemein zu. In Deutschland und in anderen Ländern Europas sowie in den USA hat sich die Anzahl der Leberzellkrebsfälle in den letzten 20 Jahren sowohl bei Männern als auch bei Frauen verdoppelt. Dies ist vermutlich auf die hohe Rate von Hepatitis-C-Neuerkrankungen in den 60er, 70er und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts zurückzuführen (2). Da es erst Anfang der 90-erJahre gelang, das Hepatitis C Virus nachzuweisen, konnte es sich in den Jahrzehnten davor unbemerkt verbreiten.

Gesunde Leber
Leber mit Leberzirrhose


Ursachen
In Deutschland entwickelt sich ein Leberzellkarzinom in 80 Prozent aller Fälle aufgrund einer Leberzirrhose, einer chronischen Erkrankung, bei der Lebergewebe unter Zerstörung der Leberzellen in Binde- und Narbengewebe umgewandelt wird. Eine Leberzirrhose entsteht fast immer durch langfristigen übermäßigen Alkoholkonsum. Bestimmte virale Entzündungen, die man je nach Verursacher als Hepatitis B oder Hepatitis C bezeichnet, können ebenfalls zu einer Krebserkrankung der Leberzellen führen. Weltweit sind diese Hepatitis-Erkrankungen die Hauptursache für Leberzellkrebs. Aber auch der berufliche Kontakt mit krebserregenden Stoffen, eine langfristige Einnahme von Androgenen (Hormonpräparate im Doping) oder der Verzehr von Aflatoxinen (Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln) können die Entwicklung von Leberzellkrebs begünstigen. In selteneren Fällen sind angeborene Stoffwechselerkrankungen wie die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) für die Entstehung eines Leberzellkarzinoms verantwortlich.

Internet-TV-Interview zu den Ursachen des Leberzellkrebs



Symptome
Im Frühstadium verursacht das hepatozelluläre Karzinom nur selten Beschwerden und wird daher meist zufällig im Rahmen von Routineuntersuchungen diagnostiziert. Im weiteren Verlauf der Erkrankung können dann unspezifische Beschwerden auftreten. Zu den häufigsten gehören
  • Druckschmerzen im Oberbauch,
  • tastbare Schwellung unter dem rechten Rippenbogen,
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • erhöhte Temperatur ungeklärter Ursache,
  • Schwäche und Leistungsminderung,
  • ungewollte Gewichtsabnahme,
  • gelbliche Verfärbungen der Haut oder der Augen.

In weit fortgeschrittenem Stadium kann es zu weiteren Symptomen kommen wie
  • Wasseransammlungen im Bauch mit Spannungsgefühl,
  • Blutungen im Magen-Darmtrakt bei Gerinnungsstörungen,
  • Adergeflechten auf der Bauchdecke.

Diagnose
Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung werden die Patienten zunächst allgemein gründlich untersucht. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt erkennen, ob Tumore in der Leber vorhanden sind. Eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie geben Auskunft über Größe, Lage und Einwachsen eines Karzinoms in benachbarte Gewebe. Bei beiden Verfahren wird ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, das sich vorwiegend im Krebsgewebe anreichert. Auf diese Weise wird der Tumor in Abgrenzung zum restlichen Lebergewebe sichtbar. Die Absicherung der Diagnose erfolgt durch eine Gewebeentnahme und eine mikroskopische Untersuchung der Probe (3).

Tumorarten
Beim Leberzellkarzinom beobachtet man verschiedene Wachstumsmuster und Mischformen:
  • es bildet sich ein einzelner meist massiver Tumor (unifokales Wachstum)
  • es entstehen mehrere Tumorherde in der Leber (multifokales Wachstum)
  • das Tumorwachstum ist diffus, ohne klare Abgrenzungen über die gesamte Leber verteilt (diffus infiltratives Wachstum).

Alle Formen neigen stark zum Einwachsen in umliegende Blutgefäße. Metastasen (Tochtergeschwülste) treten jedoch meist erst spät im Krankheitsverlauf auf (4).

Erkrankungsverlauf und Prognose
Die Entwicklung eines Leberzellkarzinoms verläuft meist über viele Jahre symptomlos. Etwa 7 von 10 Leberzellkarzinome werden deshalb erst im Spätstadium diagnostiziert. Die Prognose ist dann ungünstig. Ohne Behandlung beträgt die mittlere Überlebenszeit etwa sechs Monate (4). Die derzeitige Fünf-Jahres-Überlebensrate für Leberkrebspatienten liegt in Europa bei unter 8% (5). Neue Medikamente aus der Gruppe der Biologika, die zielgerichtet direkt das Wachstum des Tumors behindern, liefern hoffnungsvolle Ansätze, die Überlebenszeit bei besserer Lebensqualität zu verlängern.

Leberzellkrebs ist häufig auch in fortgeschrittenem Stadium auf die Leber beschränkt (1). Die Tumorgeschwulst kann jedoch je nach Lage mit zunehmendem Wachstum die Bindegewebskapsel der Leber durchbrechen und nahe gelegene Gewebe wie das Bauchfell oder die Lymphknoten befallen. Über Lymphgefäße und Blutbahn können Krebszellen dann auch in andere Organe wie Lunge, Nebennieren, Knochen oder Gehirn gelangen.

Beim Leberzellkarzinom kommt es häufig nach zunächst erfolgreicher Behandlung zu einem Rückfall und der Tumor tritt in der Leber oder in anderen Organen erneut auf. Nach einer Krebstherapie wird daher eine regelmäßige Überwachung des Patienten empfohlen.

Früherkennung
Eine routinemäßige Früherkennungsuntersuchung gibt es für das Leberzellkarzinom nicht. In einigen Fällen kann bereits im frühen Stadium der Eiweißstoff Alphafetoprotein (AFP) im Blut nachgewiesen werden, den bestimmte Lebertumore absondern. Die Alphafetoprotein-Konzentration ist jedoch auch bei einigen anderen Lebererkrankungen erhöht (4). Manchmal ist eine frühe Diagnose auch mit Ultraschall möglich. Bei Patienten mit Leberzirrhose sollte zur Früherkennung eines potentiellen Leberzellkarzinoms alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung und eine AFP-Bestimmung im Blut durchgeführt werden.

Therapie
Eine komplette Heilung ist nur im Frühstadium möglich. Kleinere Lebertumore, die noch keine Metastasen in anderen Organen gestreut haben, können manchmal operativ entfernt oder mit lokalen Therapieverfahren zerstört werden. Hat der Tumor noch keine Metastasen gebildet, kann einigen wenigen Patienten auch eine Lebertransplantation helfen.

Im Gegensatz zu einigen anderen Krebsarten spricht das Leberzellkarzinom nicht auf herkömmliche Chemotherapeutika an. Daher gab es für Patienten mit metastasiertem Leberzellkrebs bis vor kurzem keine Therapieoptionen mehr. Erst mit dem neuen Wirkstoff „Sorafenib“ wurde jetzt ein Durchbruch erzielt. In klinischen Studien hat sich erwiesen, dass die Substanz das Leben von Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkrebs signifikant verlängert (5). Seit Oktober 2007 ist Sorafenib als erstes Präparat zur systemischen (den ganzen Körper betreffenden) Therapie des Leberzellkarzinoms in Europa zugelassen. (MEDIZIN ASPEKTE, P. Stölting, 03/08

Verwendete Literatur:
  1. Leberkrebs – Diagnose, Therapie, Nachsorge: Broschüre der österreichischen Krebshilfe
  2. Leberkrebs – Diagnose, Therapie, Nachsorge: Broschüre der österreichischen Krebshilfe
  3. krebsgesellschaft.de: Leberzellkarzinom: Leberzellkarzinom
  4. Leberkrebs: Patientenbroschüre der schweizerischen Krebsliga
  5. DocCheck Flexikon: Hepatozelluläres Karzinom
  6. www.viva.vita.bayerhealthcare.de

Weitere Informationen





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