Divertikelkrankheit
10 Fragen und 10 kurze Antworten
Was sind Divertikel?
Wie häufig sind Divertikel und wo kommen sie überall vor?
Was sind die Ursachen für eine Divertikelentstehung?
Wie kann sich eine Divertikulose äußern?
Wie kann sich eine Divertikulitis äußern?
Was können weitere Komplikationen sein?
Wie kann eine Divertikelkrankheit nachgewiesen werden?
Wie kann eine Divertikelkrankheit behandelt werden?
Wie wird eine Divertikulitis behandelt?
Wo finden Betroffene Hilfe?
1.) Was sind Divertikel?
Divertikel, die wie auch die Zuckerkrankheit oder das Übergewicht zu den so genannten Zivilisationskrankheiten zählen und in Ländern mit hohem Lebensstandard besonders häufig sind, können im gesamten Verdauungstrakt (Speiseröhre-, Magen-, Dünn- und Dickdarm) vorkommen. Dabei wird zwischen angeborenen und im Laufe des Lebens erworbenen Formen unterschieden.
Bei Divertikeln des Dickdarms handelt es sich in der Regel um erworbene Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Lücken in der Darmwandmuskulatur. Liegen zahlreiche entzündungsfreie Divertikel im Darm vor, wird von einer Divertikulose gesprochen.
Die Divertikulitis ist eine Entzündung eines oder mehrerer Divertikel. Der Entzündungsherd kann dabei auf die unmittelbare Umgebung des Divertikles begrenzt sein oder auf benachbarte Strukturen und Organe übergreifen. Von einer Divertikelkrankheit wird gesprochen, wenn es zu Beschwerden, Entzündungen oder Komplikationen kommt.
2.) Wie häufig sind Divertikel und wo kommen sie überall vor?
Seit den dreißiger Jahren gilt die Divertikulose mit ihren möglichen Komplikationen als die häufigste Darmerkrankung in der westlichen Welt. Mit zunehmendem Lebensalter zeigt das Auftreten von Divertikeln einen deutlichen Anstieg. Bei den Dreißig- bis Vierzigjährigen findet sich eine Divertikulose in weniger als 10% der Fälle, bei den Fünfzig- bis Sechzigjährigen bei 20-30% und jenseits des siebzigsten Lebensjahres liegt in über 40% eine Divertikulose vor. Mit zunehmenden Alter des Patienten nehmen auch Anzahl und Größe der Divertikel zu, wobei Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen sind. Für das Auftreten von Divertiklen ist der s-förmige Dickdarmteil (Sigma) mit 80-95% der bevorzugte Darmabschnitt. Am zweithäufigsten ist der absteigende Dickdarmanteil betroffen, gefolgt von den übrigen Dickdarmabschnitten. Obwohl eine große Zahl von Menschen in ihrem Leben Dickdarmdivertikel entwickelt, bleiben über 80% von ihnen zeitlebens beschwerdefrei.
3.) Was sind die Ursachen für eine Divertikelentstehung?
Obwohl die genauen Ursachen noch nicht bekannt sind, wird angenommen, dass die Divertikulose in erster Linie aus segmentalen Bewegungsstörungen des Dickdarms resultiert, wobei Kontraktionen in einzelnen Darmabschnitten zu hohen Drucken innerhalb des Darms führen. Außerdem gelten eine erworbene Darmwandschwäche im Bereich von Gefäß- und Muskellücken und veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten als Risikofaktoren. Insbesondere der Ersatz faserreicher Nahrungsbestandteile durch ballaststoffarme Kost scheint eine wichtige Rolle bei der Divertikelentstehung zu spielen. In Ländern mit hohem Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung (zum Beispiel Südostasien und Afrika) werden Divertikel nur sehr selten beobachtet.
4.) Wie kann sich eine Divertikulose äußern?
Der überwiegende Teil der Divertikelträger bleibt zeitlebens beschwerdefrei, da entzündungsfreie Divertikel für sich allein keine Beschwerden machen. Kommt es zu Schmerzen im Unterbauch, ist dies in der Regel die Folge von Divertikeln und gleichzeitig bestehendem Reizdarmsyndrom, auch spastischer Darm genannt. Dabei klagen Betroffene über ziehende oder krampfartige Bauchschmerzen, die sie zumeist im linken Unterbauch angeben und die einige Stunden, aber auch mehrere Tage andauern können. Unter Nahrungsaufnahme kann es, bedingt durch die zunehmende Bewegung des Darms, zu einer Zunahme der Beschwerden kommen. Begleiterscheinungen wie Blähungen, Bauchkrämpfen, vermehrter Windabgang und Stuhlunregelmäßigkeiten weisen häufig auf zusätzliches Vorliegen eines Reizdarmsyndroms hin. Zu einer Linderung oder Beseitigung der Beschwerden führen meist Stuhlentleerung und Windabgang.
Die körperliche Untersuchung durch den Arzt während einer Schmerzepisode kann völlig unauffällig sein. Häufig ist aber ein druckschmerzhafter Dickdarm, ein geblähter Bauch oder eine schmerzhafte "Walze" im linken Unterbauch zu tasten. Blutuntersuchungen zeigen völlig unauffällige Werte.
5.) Wie kann sich eine Divertikulitis äußern?
Kommt es zu einer Entzündung der Divertikel, spricht man von Divertikulitis. Mit einer Häufigkeit von circa 20% stellt diese die häufigste Komplikation einer Divertikulose dar.
Auslöser der Entzündung sind dabei Kotsteine, die in den Divertikeln liegen bleiben und durch ständigen Druck zu kleinsten Geschwüren im Divertikelbereich führen. Zu schwerwiegenden Komplikationen mit Abszessbildung, Bauchfellentzündung und Fistelbildung zu benachbarten Organen wie Darm, Blase oder Scheide kann es kommen, wenn der Entzündungsprozess auf die gesamte Darmwand und benachbarte Organe übergreift.
Wiederholte Entzündungen von Divertikeln können zu Narbenbildungen mit zunehmender Verdickung der Darmwand und daraus resultierender Verengung des Darms (Stenose) führen. Im schlimmsten Fall kann sich daraus ein operationsbedürftiger Darmverschluss entwickeln. Die Entzündung eines oder mehrerer Divertikel kündigt sich durch akute, meist krampfartige Schmerzen und bevorzugt im mittleren bis linken Unterbauch an. Zusätzlich können Fieber, Stuhlunregelmäßigkeiten (Verstopfung, selten Durchfall), Übelkeit, Erbrechen und eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes auftreten. Bei einer Mitbeteiligung der Blase kann es zu Blasenentleerungsstörungen und sogar zu sichtbarem Blut im Urin kommen.
Die körperliche Untersuchung durch den Arzt ergibt bei einer akuten Entzündung einen geblähten und druckschmerzhaften Bauch. Der entzündete Darmabschnitt (am häufigsten das Sigma, welches im linken Unterbauch liegt) ist als druckschmerzhafte "Walze" zu tasten. Je nach Ausdehnung des Entzündungsprozesses kann eine umschriebene Bauchfellentzündung mit entsprechender Abwehrspannung vorliegen. Die Blutuntersuchungen ergeben eine mäßige bis deutliche Erhöhung der weißen Blutkörperchen und der Blutsenkungsgeschwindigkeit.
6.) Was können weitere Komplikationen sein?
Kommt es zu Blutungen aus dem After, kann die Ursache ebenfalls in Divertikeln liegen. Stärkere Blutungen werden dabei eher aus nicht entzündeten Divertikeln der aufsteigenden Dickdarms, leichtere Blutungen aus entzündlich veränderten Divertikeln beobachtet.
Dauer und Intensität solcher Blutungen sind dabei sehr unterschiedlich. In über 80% kommt die Blutung ohne therapeutische Maßnahmen zum Stillstand. In etwa 25% treten Blutungen immer mal wieder auf. Eine weitere Komplikation der Divertikulitis ist die Fistelbildung. Hierbei handelt es sich um eine Neubildung von Gangsystemen zwischen erkrankten und gesunden Darmabschnitten. Es können sich aber auch Fisteln zu Harnblase oder Scheide ausbilden. Diese Patienten berichten dann über Luft- und Stuhlabgänge aus der Harnröhre oder der Scheide.
Gelegentlich kann es im Rahmen einer Divertikulitis zum Platzen eines Divertikels kommen. Man spricht dann von Perforation. In den meisten Fällen führt dies aber nicht zu einer akuten Bauchfellentzündung, da sich gesunde Darmschlingen über den Defekt legen und diesen abdichten. Ein solches Ereignis kann mit umschriebenen Bauchschmerzen einhergehen oder zunächst für den Patienten unbemerkt ablaufen. Kommt es in seltenen Fällen zu einer Entleerung von Stuhl aus einem geplatzten Divertikel in die freie Bauchhöhle, stellt dies ein dramatisches und umgehend operationsbedürftiges Krankheitsbild dar. Auch eine durch Narbenbildung entstehende Engstellung des Darms stellt eine Komplikation der Divertikulose dar und muss mittels Operation behandelt werden.
7.) Wie kann eine Divertikelkrankheit nachgewiesen werden?
Im Rahmen einer Röntgenuntersuchung werden Divertikel häufig als Zufallsbefund diagnostiziert.
Art und Ausmaß folgender Untersuchungen sind von den Beschwerden der Patienten abhängig. Dabei ist darauf zu achten, dass andere Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild ausgeschlossen werden. Meist ist es jedoch nicht möglich, anhand der Röntgenuntersuchung sicher zu entscheiden, ob es sich bei einer Einengung des Dickdarms und gleichzeitigem Vorliegen von Divertikeln um eine Entzündung oder um einen Tumor handelt. In diesen Fällen muss eine Darmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben zur weiteren Abklärung erfolgen. Außerdem gehört der Ultraschall, neben der körperlichen Untersuchung und der Labordiagnostik, zu den initialen Untersuchungsverfahren bei Verdacht auf eine Entzündung der Divertikel.
8.) Wie kann eine Divertikelkrankheit behandelt werden?
Bei Patienten mit einer Divertikulose und Beschwerden wie zum Beispiel Bauchkrämpfen, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Völlegefühl ohne Hinweise auf eine Entzündung sollte eine Umstellung der Ernährung erfolgen. Dabei sollten mehr Ballaststoffe unter Zugabe von Weizenkleie erfolgen.
Ballaststoffe sind Substanzen, die aufgrund ihrer Fähigkeit Wasser zu binden aufquellen und im menschlichen Körper nicht verdaubar sind. Es gibt verschiedene Substanzen, denen gemeinsam ist, dass sie die Stuhlmasse erhöhen, den Druck im Darm senken und die Stuhlpassagezeit im Darm verkürzen.
Neben Vollkornprodukten sind außerdem Gemüse, Kartoffeln, Salate, Früchte und Getreide als ballaststoffreiche Kost zu empfehlen. Zusätzlich können unter ausreichender Flüssigkeitszufuhr (1,5-2,5 Liter) täglich 10-25 Gramm Weizenkleie eingenommen werden. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass grobe ungekochte Kleie den höchsten Effekt zeigt. Bei krampfartigen Bauchschmerzen kann Wärme die Beschwerden oft lindern. Vorübergehend können vom Arzt auch Medikamente verordnet werden, die jedoch nur kurzfristig eingenommen werden dürfen.
9.) Wie wird eine Divertikulitis behandelt?
Meistens kann eine unkomplizierte akute Divertikulitis konservativ, dass heißt ohne Operation behandelt werden. Dabei kann die Therapie entweder durch einen erfahrenen Arzt ambulant oder im Zweifelsfall besser stationär im Krankenhaus erfolgen. In der Anfangsphase besteht die Therapie in Bettruhe, absoluter Nahrungskarenz sowie vollständiger Ernährung und Flüssigkeitszufuhr über einen venösen Zugang. Zusätzlich werden kurzfristig schmerzstillende und krampflösende Medikamente und ein Antibiotikum über 7-10 Tage zugeführt.
Die überwiegende Zahl der Patienten wird unter dieser Therapie nach wenigen Tagen beschwerdefrei. Regelmäßige Labor- und Ultraschallkontrollen sowie körperliche Untersuchungen sind erforderlich, um rechtzeitig Komplikationen zu erkennen. Nach Abklingen der Beschwerden beginnt schließlich der Nahrungsaufbau mit Tee und Zwieback bis hin zu normaler ballaststoffreicher Kost unter Zugabe von Quellmitteln.
Indikation zu einem chirurgischem Eingriff besteht bei Patienten mit einer Divertikulose ohne Beschwerden nur bei massiven, nicht beherrschbaren Darmblutungen. Darmdurchbruch, Abszessbildung und der Darmverschluss als eine Komplikation der Divertikulitis stellen zwingende Gründe für ein operatives Vorgehen dar. Des weiteren gelten Fisteln und ein nicht sicher ausschließbarer Darmtumor eine absolute Operationsindikation dar. Ein fehlendes Ansprechen der antibiotischen Therapie bei akuter Entzündung, wiederholter Divertikulitisereignisse und Blutungen sowie Beschwerden beim Wasserlassen können ebenfalls Anlass für einen chirurgischen Eingriff sein. Der Erfolg einer Operation, die darin besteht, dass der entzündete Darmabschnitt entfernt wird, ist dabei wesentlich vom Zeitpunkt der Operation abhängig. Dementsprechend gilt es, durch apparative und klinische Untersuchungen den richtigen Operationszeitpunkt festzulegen, an dem das Risiko für den Patienten am geringsten ist.
10.) Wo finden Betroffene Hilfe?
- Patientenforum: Divertikulose
- Patienteninformation der Chirurgischen Klinik der Charite Berlin
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Was sind die Ursachen für eine Divertikelentstehung?
Wie kann sich eine Divertikulose äußern?
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Was können weitere Komplikationen sein?
Wie kann eine Divertikelkrankheit nachgewiesen werden?
Wie kann eine Divertikelkrankheit behandelt werden?
Wie wird eine Divertikulitis behandelt?
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1.) Was sind Divertikel?
Divertikel, die wie auch die Zuckerkrankheit oder das Übergewicht zu den so genannten Zivilisationskrankheiten zählen und in Ländern mit hohem Lebensstandard besonders häufig sind, können im gesamten Verdauungstrakt (Speiseröhre-, Magen-, Dünn- und Dickdarm) vorkommen. Dabei wird zwischen angeborenen und im Laufe des Lebens erworbenen Formen unterschieden.
Bei Divertikeln des Dickdarms handelt es sich in der Regel um erworbene Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Lücken in der Darmwandmuskulatur. Liegen zahlreiche entzündungsfreie Divertikel im Darm vor, wird von einer Divertikulose gesprochen.
Die Divertikulitis ist eine Entzündung eines oder mehrerer Divertikel. Der Entzündungsherd kann dabei auf die unmittelbare Umgebung des Divertikles begrenzt sein oder auf benachbarte Strukturen und Organe übergreifen. Von einer Divertikelkrankheit wird gesprochen, wenn es zu Beschwerden, Entzündungen oder Komplikationen kommt.
2.) Wie häufig sind Divertikel und wo kommen sie überall vor?
Seit den dreißiger Jahren gilt die Divertikulose mit ihren möglichen Komplikationen als die häufigste Darmerkrankung in der westlichen Welt. Mit zunehmendem Lebensalter zeigt das Auftreten von Divertikeln einen deutlichen Anstieg. Bei den Dreißig- bis Vierzigjährigen findet sich eine Divertikulose in weniger als 10% der Fälle, bei den Fünfzig- bis Sechzigjährigen bei 20-30% und jenseits des siebzigsten Lebensjahres liegt in über 40% eine Divertikulose vor. Mit zunehmenden Alter des Patienten nehmen auch Anzahl und Größe der Divertikel zu, wobei Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen sind. Für das Auftreten von Divertiklen ist der s-förmige Dickdarmteil (Sigma) mit 80-95% der bevorzugte Darmabschnitt. Am zweithäufigsten ist der absteigende Dickdarmanteil betroffen, gefolgt von den übrigen Dickdarmabschnitten. Obwohl eine große Zahl von Menschen in ihrem Leben Dickdarmdivertikel entwickelt, bleiben über 80% von ihnen zeitlebens beschwerdefrei.
3.) Was sind die Ursachen für eine Divertikelentstehung?
Obwohl die genauen Ursachen noch nicht bekannt sind, wird angenommen, dass die Divertikulose in erster Linie aus segmentalen Bewegungsstörungen des Dickdarms resultiert, wobei Kontraktionen in einzelnen Darmabschnitten zu hohen Drucken innerhalb des Darms führen. Außerdem gelten eine erworbene Darmwandschwäche im Bereich von Gefäß- und Muskellücken und veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten als Risikofaktoren. Insbesondere der Ersatz faserreicher Nahrungsbestandteile durch ballaststoffarme Kost scheint eine wichtige Rolle bei der Divertikelentstehung zu spielen. In Ländern mit hohem Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung (zum Beispiel Südostasien und Afrika) werden Divertikel nur sehr selten beobachtet.
4.) Wie kann sich eine Divertikulose äußern?
Der überwiegende Teil der Divertikelträger bleibt zeitlebens beschwerdefrei, da entzündungsfreie Divertikel für sich allein keine Beschwerden machen. Kommt es zu Schmerzen im Unterbauch, ist dies in der Regel die Folge von Divertikeln und gleichzeitig bestehendem Reizdarmsyndrom, auch spastischer Darm genannt. Dabei klagen Betroffene über ziehende oder krampfartige Bauchschmerzen, die sie zumeist im linken Unterbauch angeben und die einige Stunden, aber auch mehrere Tage andauern können. Unter Nahrungsaufnahme kann es, bedingt durch die zunehmende Bewegung des Darms, zu einer Zunahme der Beschwerden kommen. Begleiterscheinungen wie Blähungen, Bauchkrämpfen, vermehrter Windabgang und Stuhlunregelmäßigkeiten weisen häufig auf zusätzliches Vorliegen eines Reizdarmsyndroms hin. Zu einer Linderung oder Beseitigung der Beschwerden führen meist Stuhlentleerung und Windabgang.
Die körperliche Untersuchung durch den Arzt während einer Schmerzepisode kann völlig unauffällig sein. Häufig ist aber ein druckschmerzhafter Dickdarm, ein geblähter Bauch oder eine schmerzhafte "Walze" im linken Unterbauch zu tasten. Blutuntersuchungen zeigen völlig unauffällige Werte.
5.) Wie kann sich eine Divertikulitis äußern?
Kommt es zu einer Entzündung der Divertikel, spricht man von Divertikulitis. Mit einer Häufigkeit von circa 20% stellt diese die häufigste Komplikation einer Divertikulose dar.
Auslöser der Entzündung sind dabei Kotsteine, die in den Divertikeln liegen bleiben und durch ständigen Druck zu kleinsten Geschwüren im Divertikelbereich führen. Zu schwerwiegenden Komplikationen mit Abszessbildung, Bauchfellentzündung und Fistelbildung zu benachbarten Organen wie Darm, Blase oder Scheide kann es kommen, wenn der Entzündungsprozess auf die gesamte Darmwand und benachbarte Organe übergreift.
Wiederholte Entzündungen von Divertikeln können zu Narbenbildungen mit zunehmender Verdickung der Darmwand und daraus resultierender Verengung des Darms (Stenose) führen. Im schlimmsten Fall kann sich daraus ein operationsbedürftiger Darmverschluss entwickeln. Die Entzündung eines oder mehrerer Divertikel kündigt sich durch akute, meist krampfartige Schmerzen und bevorzugt im mittleren bis linken Unterbauch an. Zusätzlich können Fieber, Stuhlunregelmäßigkeiten (Verstopfung, selten Durchfall), Übelkeit, Erbrechen und eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes auftreten. Bei einer Mitbeteiligung der Blase kann es zu Blasenentleerungsstörungen und sogar zu sichtbarem Blut im Urin kommen.
Die körperliche Untersuchung durch den Arzt ergibt bei einer akuten Entzündung einen geblähten und druckschmerzhaften Bauch. Der entzündete Darmabschnitt (am häufigsten das Sigma, welches im linken Unterbauch liegt) ist als druckschmerzhafte "Walze" zu tasten. Je nach Ausdehnung des Entzündungsprozesses kann eine umschriebene Bauchfellentzündung mit entsprechender Abwehrspannung vorliegen. Die Blutuntersuchungen ergeben eine mäßige bis deutliche Erhöhung der weißen Blutkörperchen und der Blutsenkungsgeschwindigkeit.
6.) Was können weitere Komplikationen sein?
Kommt es zu Blutungen aus dem After, kann die Ursache ebenfalls in Divertikeln liegen. Stärkere Blutungen werden dabei eher aus nicht entzündeten Divertikeln der aufsteigenden Dickdarms, leichtere Blutungen aus entzündlich veränderten Divertikeln beobachtet.
Dauer und Intensität solcher Blutungen sind dabei sehr unterschiedlich. In über 80% kommt die Blutung ohne therapeutische Maßnahmen zum Stillstand. In etwa 25% treten Blutungen immer mal wieder auf. Eine weitere Komplikation der Divertikulitis ist die Fistelbildung. Hierbei handelt es sich um eine Neubildung von Gangsystemen zwischen erkrankten und gesunden Darmabschnitten. Es können sich aber auch Fisteln zu Harnblase oder Scheide ausbilden. Diese Patienten berichten dann über Luft- und Stuhlabgänge aus der Harnröhre oder der Scheide.
Gelegentlich kann es im Rahmen einer Divertikulitis zum Platzen eines Divertikels kommen. Man spricht dann von Perforation. In den meisten Fällen führt dies aber nicht zu einer akuten Bauchfellentzündung, da sich gesunde Darmschlingen über den Defekt legen und diesen abdichten. Ein solches Ereignis kann mit umschriebenen Bauchschmerzen einhergehen oder zunächst für den Patienten unbemerkt ablaufen. Kommt es in seltenen Fällen zu einer Entleerung von Stuhl aus einem geplatzten Divertikel in die freie Bauchhöhle, stellt dies ein dramatisches und umgehend operationsbedürftiges Krankheitsbild dar. Auch eine durch Narbenbildung entstehende Engstellung des Darms stellt eine Komplikation der Divertikulose dar und muss mittels Operation behandelt werden.
7.) Wie kann eine Divertikelkrankheit nachgewiesen werden?
Im Rahmen einer Röntgenuntersuchung werden Divertikel häufig als Zufallsbefund diagnostiziert.
Art und Ausmaß folgender Untersuchungen sind von den Beschwerden der Patienten abhängig. Dabei ist darauf zu achten, dass andere Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild ausgeschlossen werden. Meist ist es jedoch nicht möglich, anhand der Röntgenuntersuchung sicher zu entscheiden, ob es sich bei einer Einengung des Dickdarms und gleichzeitigem Vorliegen von Divertikeln um eine Entzündung oder um einen Tumor handelt. In diesen Fällen muss eine Darmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben zur weiteren Abklärung erfolgen. Außerdem gehört der Ultraschall, neben der körperlichen Untersuchung und der Labordiagnostik, zu den initialen Untersuchungsverfahren bei Verdacht auf eine Entzündung der Divertikel.
8.) Wie kann eine Divertikelkrankheit behandelt werden?
Bei Patienten mit einer Divertikulose und Beschwerden wie zum Beispiel Bauchkrämpfen, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Völlegefühl ohne Hinweise auf eine Entzündung sollte eine Umstellung der Ernährung erfolgen. Dabei sollten mehr Ballaststoffe unter Zugabe von Weizenkleie erfolgen.
Ballaststoffe sind Substanzen, die aufgrund ihrer Fähigkeit Wasser zu binden aufquellen und im menschlichen Körper nicht verdaubar sind. Es gibt verschiedene Substanzen, denen gemeinsam ist, dass sie die Stuhlmasse erhöhen, den Druck im Darm senken und die Stuhlpassagezeit im Darm verkürzen.
Neben Vollkornprodukten sind außerdem Gemüse, Kartoffeln, Salate, Früchte und Getreide als ballaststoffreiche Kost zu empfehlen. Zusätzlich können unter ausreichender Flüssigkeitszufuhr (1,5-2,5 Liter) täglich 10-25 Gramm Weizenkleie eingenommen werden. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass grobe ungekochte Kleie den höchsten Effekt zeigt. Bei krampfartigen Bauchschmerzen kann Wärme die Beschwerden oft lindern. Vorübergehend können vom Arzt auch Medikamente verordnet werden, die jedoch nur kurzfristig eingenommen werden dürfen.
9.) Wie wird eine Divertikulitis behandelt?
Meistens kann eine unkomplizierte akute Divertikulitis konservativ, dass heißt ohne Operation behandelt werden. Dabei kann die Therapie entweder durch einen erfahrenen Arzt ambulant oder im Zweifelsfall besser stationär im Krankenhaus erfolgen. In der Anfangsphase besteht die Therapie in Bettruhe, absoluter Nahrungskarenz sowie vollständiger Ernährung und Flüssigkeitszufuhr über einen venösen Zugang. Zusätzlich werden kurzfristig schmerzstillende und krampflösende Medikamente und ein Antibiotikum über 7-10 Tage zugeführt.
Die überwiegende Zahl der Patienten wird unter dieser Therapie nach wenigen Tagen beschwerdefrei. Regelmäßige Labor- und Ultraschallkontrollen sowie körperliche Untersuchungen sind erforderlich, um rechtzeitig Komplikationen zu erkennen. Nach Abklingen der Beschwerden beginnt schließlich der Nahrungsaufbau mit Tee und Zwieback bis hin zu normaler ballaststoffreicher Kost unter Zugabe von Quellmitteln.
Indikation zu einem chirurgischem Eingriff besteht bei Patienten mit einer Divertikulose ohne Beschwerden nur bei massiven, nicht beherrschbaren Darmblutungen. Darmdurchbruch, Abszessbildung und der Darmverschluss als eine Komplikation der Divertikulitis stellen zwingende Gründe für ein operatives Vorgehen dar. Des weiteren gelten Fisteln und ein nicht sicher ausschließbarer Darmtumor eine absolute Operationsindikation dar. Ein fehlendes Ansprechen der antibiotischen Therapie bei akuter Entzündung, wiederholter Divertikulitisereignisse und Blutungen sowie Beschwerden beim Wasserlassen können ebenfalls Anlass für einen chirurgischen Eingriff sein. Der Erfolg einer Operation, die darin besteht, dass der entzündete Darmabschnitt entfernt wird, ist dabei wesentlich vom Zeitpunkt der Operation abhängig. Dementsprechend gilt es, durch apparative und klinische Untersuchungen den richtigen Operationszeitpunkt festzulegen, an dem das Risiko für den Patienten am geringsten ist.
10.) Wo finden Betroffene Hilfe?
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- Patienteninformation der Chirurgischen Klinik der Charite Berlin

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