Hautkrebs

10 Fragen und 10 kurze Antworten

Wie ist das Pigmentsystem der Haut aufgebaut?
Das Pigmentsystem der Haut wird von der Gesamtheit der Hautmelanozyten und der damit verbundenen Regulationsmechanismen gebildet. Lebensraum der Hautmelanozyten ist die so genannte Basalmembran der Haut. Ihre Dichte beträgt ca. 1000-2000 Zellen je Quadratmillimeter Hautoberfläche (hohe Dichte: Gesichts-, Genital- und Analbereich) und nimmt im Laufe des Lebens stetig ab. Bei kontinuierlichen Lichtreizen erfolgt eine gesteigerte Synthese von Melanin, das an die umgebenden Hautzellen abgegeben wird, um diese vor Lichtschäden zu schützen. Dabei wirkt die Haut vorübergehend brauner. Die melaninbedingte Hautfarbe wird bestimmt von:

  • rassisch-genetischen Faktoren (zum Beispiel Europäer, Afrikaner, Indianer, Asiaten)
  • individuell-genetische Faktoren (zum Beispiel Lichtempfindlichkeitstyp)
  • äußerer Lichtexposition (Lichtbräunung)
  • Hormonen, die die Synthese des Melanins steuern


Was ist der so genannte Linsenfleck?
Linsenfleck, in der Fachsprache Lentigo genannt, bezeichnet eine erworbene, primär gutartige kleinfleckig-scharf begrenzte Hyperpigmentierung der Haut. Er entsteht, indem sich Pigmentzellen der Haut stellenweise vermehren.

Vier Formen von Lentigo müssen unterschieden werden:

  • Lentigo simplex:
    bei Kindern auftretende, lichtunabhängige, in Mehrzahl am gesamten Körper auftretende Lentigoherde
  • Nävoide Lentigo:
    bezeichnet bestimmte Form eines Leberfleckes (Nävuszellnävus)
  • Lentigo solaris:
    bei Erwachsenen in lichtexponierten Hautregionen (vor allem Gesicht, Hände, Unterarme) auftretende braune Flecke von Linsengröße oder auch etwas größer. Aufgrund der zunehmenden Häufigkeit in höherem Lebensalter auch als Lentigo senilis (Altersfleck) bezeichnet. Sie können auf Wunsch des Patienten mit Laser entfernt werden.
  • Lentigo maligna:
    Vorform des schwarzen Hautkrebses, des so genannten malignen Melanoms. Einzelner Herd in lichtexponierten Hautregionen (meist Gesicht) bei älteren Menschen. Meist unregelmäßiger, teils scharf, teils unscharf begrenzter Fleck mit unregelmäßiger Pigmentierung. Sehr langsam wachsend, Größe von Bestandsdauer abhängig. Aufgrund des Entartungsrisikos empfiehlt sich die operative Entfernung oder eine Röntgenweichstrahlentherapie.

Lentigines werden mit bloßem Auge anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes beziehungsweise mithilfe eines Auflichtmikroskopes diagnostiziert, bei Verdacht auf Lentigo maligna erfolgt eine feingewebliche Untersuchung.


Was genau ist ein Leberfleck?
Ein Leberfleck, der so genannte Nävuszellnävus, entsteht entweder aufgrund genetischer Veranlagung oder indem zum Beispiel spezifische Lichtreize (UV-A oder UV-B) oder chemische Gifte auf die Haut einwirken. Die Symptomatik wird im wesentlichen vom "Farbstoff" der Haut, dem Melanin bestimmt, der in den Melanozyten (Pigmentzellen der Haut) gespeichert ist. Leberflecke sind meist zweidimensional-fleckförmige, primär gutartige bräunliche Hyperpigmentierungen, bei Fehl- oder Neubildungen können sie aber auch dreidimensional-knotig in Erscheinung treten. Auch sie werden anhand ihres Äußeren mit bloßem Auge oder unter Zuhilfenahme eines Mikroskopes betrachtet und auf ihre Gutartigkeit hin beurteilt. Bei Krebsverdacht werden sie in lokaler Betäubung operativ entfernt und feingeweblich untersucht.

Was ist schwarzer Hautkrebs?
Der schwarze Hautkrebs, das so genannte maligne Melanom der Haut ist kein einheitlicher Tumor. Je nach Entwicklungsweg, Wachstumsverhalten und Lokalisation werden verschiedene Melanomtypen unterschieden. Melanome können entweder auf klinisch normaler Haut oder aus einem vorbestehendem Nävuszellnävus entstehen. Die häufigste dabei auftretende Form ist das so genannte superfiziell spreitende Melanom, ein unregelmäßiger, meist scharf begrenzter Herd mit unregelmäßiger braun-schwarzer, auch rötlicher Pigmentierung und meist Aufhellungszonen. Im Gegensatz zur Lentigo maligna ist es erhaben und damit auch tastbar. Nach einigen Jahren horizontalen Wachstums meist Knoten- und Geschwürbildung. Es tritt meist um das fünfzigste Lebensjahr herum auf, bei Männern vorzugsweise am Rücken, bei Frauen an den Unterschenkeln.

Wie häufig ist schwarzer Hautkrebs?
Die Melanomhäufigkeit zeigt deutliche rassische (häufiger bei Weißen) und geographische Unterschiede (Europa: ca. 10-15 Neuerkrankungen/100.000/Jahr, Australien. ca. 40-60 Neuerkrankungen/100.000/Jahr).Die globale Sterblichkeit liegt bei 20-30%. Damit liegt der schwarze Hautkrebs (noch) nicht in der Spitzengruppe der menschlichen Krebsarten und ist auch keiner der "big killer". Beängstigend ist jedoch die bei der weißen Bevölkerung weltweit festzustellende Steigerung der Neuerkrankungen pro Jahr (5-10%!). Da es sich nicht um einen "Alterskrebs", sondern um eine Erkrankung des mittleren Lebensalters handelt, ist der Krankheitswert erheblich (Verlust an Lebensjahren und Lebensqualität).

Gibt es Risikofaktoren?
Das maligne Melanom entsteht meist sporadisch, das heißt Erblichkeit spielt nur eine untergeordnete Rolle. Demnach sind Risikofaktoren in der Tumorentstehung von entscheidender Bedeutung:

  • Sonnenlichtexposition: übermäßige Sonnenlichtexposition (meist schon im Jugendalter) und vor allem Sonnenbrände während der Kindheit können zu übermäßiger Bildung von Nävuszellnävi und Lentigo-solaris-Herden führen.
  • lichtempfindliche helle Haut
  • instabiles Pigmentsystem mit zahlreichen Nävuszellnävi und Lentigo-solaris-Herden
  • abgeschwächtes Immunsystem
  • Hautkrebs bei Verwandten, vor allem ersten Grades


Ist eine Früherkennung möglich?
Die Früherkennung erfordert einerseits eine informierte Bevölkerung (Kentnisse von Vor- und Frühformen maligner Melanome, Motivation zum Arztbesuch), andererseits informierte Ärzte. Besondere Bedeutung besitzt die Früherkennung bei Risikopatienten beziehungsweise Risikofaktoren. Bei der Früherkennung sind zu berücksichtigen: Krankengeschichte: Neuauftreten eines auffälligen braunen Herdes oder Veränderung eines bestehenden braunen Herdes Eigenschaften des verdächtigen Herdes:

Dabei kann die so genannte ABCD-Regel hilfreich sein (auch für Laien geeignet):

A = Asymmetrie
B = Begrenzung unregelmäßig, ausgefranst oder unscharf
C = Colorierung inhomogen (schwarz, blau, verschiedene Brauntöne, grau-rosa)
D = Durchmesser oft über sechs Millimeter

Vorhandensein von Risikofaktoren
Eine definitive Diagnose kann jedoch immer nur feingeweblich gesichert werden. Bei Verdacht auf ein Melanom wird der Herd operativ entfernt und im Labor untersucht. Im Gegensatz zur Volksmeinung ist die Melanomprognose nicht generell schlecht, sondern bei Früherkennung sogar sehr gut (Heilungswahrscheinlichkeit zwischen 90 und 100%).

Wie kann man sich vor Hautkrebs schützen?
Neben der Früherkennung spielt der Schutz der Haut vor übermäßiger Sonneneinstrahlung die größte Rolle in der Vermeidung des Hautkrebses. Dabei ist vor allem der Textilschutz von entscheidender Bedeutung, das heißt, dass so wenig Haut wie möglich der Sonne ausgesetzt werden sollte. Vor allem bei Kindern bedeutet das dünne langarmige und langbeinige Kleidung und Kopfbedeckung.

Außerdem ist zu beachten, dass, wenn überhaupt nötig, nur höchstens zwanzig Minuten pro Tag in der Sonnen gebadet werden sollte, anschließend sollte in den Schatten gewechselt werden. Die Mittagssonne zwischen zwölf und sechzehn Uhr sollte auf jeden Fall aufgrund der stark erhöhten Ozonwerte gemieden werden. Beim Hautarzt sollte zusätzlich der individuelle Hauttyp bestimmt werden und auf einen ausreichenden Sonnenschutz mithilfe einer Creme mit entsprechend nötigem Lichtschutzfaktor geachtet werden. Sonnenbrände vor allem in der Kindheit müssen vermieden werden! Entgegen weit verbreiteter Meinung erhöht Sonnenschutz nicht die empfohlene Verweildauer in der Sonne!

Wie wird ein Melanom therapiert?
Bisherige Therapiekonzepte zielen entweder auf die Beeinflussung des Tumors (und richten sich nach dem jeweiligen Tumorstadium) oder sie beeinflussen das Immunsystem des Menschen.

Beeinflussung des Tumors:
Operative Entfernung des Melanoms mit ausreichendem Sicherheitsabstand, der mit der Tumorgröße mitwächst. Sollten Metastasen in der Haut vorhanden sein, werden auch diese mitentfernt, Metastasen in den inneren Organen werden mit Strahlen- und/oder Chemotherapie behandelt. Sind bereits Metastasen aufgetreten oder ist es bereits ein Zweitmelanom ist eine dauerhafte Heilung kaum noch möglich. Zusätzlich können so genannte Interferon-Alpha-Präparate verabreicht werden.

Beeinflussung des Menschen:
Obwohl am Vorhandensein von Tumorabwehrreaktionen des menschlichen Körpers kein Zweifel besteht, obsiegt schließlich fast immer das Melanom. Es kann also zusätzlich zu konservativen Therapieformen versucht werden, mithilfe bestimmter Substanzen, wie zum Beispiel Mistelextrakten oder so genannten Zytokinen, das Immunsystem zu stärken.

Grundsätzlich wichtig ist eine gesunde Lebensführung (Ernährung, Vermeidung von Alkohol und Rauchen), Vermeidung jeglicher Art von Abwehrschwächung (seelisch-körperliche Erschöpfungszustände, sorgfältige Behandlung anderer Erkrankungen).

Eine Schwangerschaft oder eine Therapie mit Sexualhormonen scheint keinen negativen Einfluss auf Entstehung oder Verlauf von Melanomen zu haben. Ein bestehendes Melanom wird auch dann wie üblich behandelt, kind- beziehungsweise muttergefährdende Maßnahmen werden nicht durchgeführt. Eine engmaschige Melanomnachsorge (alle drei Monate) innerhalb der ersten drei Jahre ist sehr zu empfehlen. Die Nachsorge umfasst in der Regel zehn Jahre, spätere Rezidive sind aber dennoch möglich. Außer der ärztlichen Nachsorge (klinische und technische Untersuchungen) ist die Eigenuntersuchung der Patienten von daher sinnvoll.



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